Was dem normalen Leser wohl weitesgehend Jacke wie Hose ist, stellt für Leute, die in der Branche arbeiten, die alles entscheidende Information dar. Von wem ist denn jetzt der Artikel?
Readmore hat vor kurzem sein Newssystem überarbeitet, und bietet nun analog zu Fragster seine Artikel in seinem Newsformat feil. Dabei ist auch eins der wesentlichen Relikte aus der Frühzeit verschwunden: Die Autorenkürzel. Die Wissenden konnten damit auf einen Blick feststellen, wer sich für Interview, Meinung, Analyse verantwortlich zeigte.
Das fällt nun weg, obwohl die imitierte Konkurrenz gar einen Schritt weitergeht, und sowohl Nickname als auch vollen Namen des Autors nennt, wenn man mal von Cravens Fragster-Pseudonym Szenemonster und einigen anderen artikelschreibenden Fakeaccounts absieht.
Mich nervt es tierisch. Ich kenne die Leute und ihren jeweiligen Drift. Einen Artikel zu lesen ohne den Autor zu kennen, mag ein lustiges Ratespiel darstellen, das ich damals zu Zeiten des anonymen Fragster-Blogs gerne mitgespielt habe (und wohl auch häufig richtig lag). Dennoch wüsste ich gerne vorher, wer da gerade zum aktuellen Thema in die Tasten gehauen hat. Die lieblose Nennung des Autors im Kurztext bei readmore kann mich da nicht zufriedenstellen, zumal ich aus eigener Erfahrung weiss, dass diese lobpreisenden ersten Zeilen im Normalfall aus der Feder des Artikelschreibers stammen.
Klar, bei der mittlerweile stark entwickelten Organisationsform ensteht abseits von Meinungen kaum noch ein Artikel im Alleingang. Bei Fragster ist fast immer einer der leitenden Redakteure Wortführer im Artikel, sei es Rudi, datawave oder der vorgeblich inaktive bond, die den jüngeren, und noch unerfahreneren, Redakteuren die Gedanken leiten, und sie auf Projektlinie bringen. Auf readmore-Seite nehmen die Rolle die Althasen Craven, cyph und vor allem wixwiwa ein, der von der Öffentlichkeit unbemerkt eine tragende Rolle in Deutschlands wichtigstem eSport-Magazin eingenommen hat, und selbst nie namentlich in Erscheinung tritt.
Doch selbst wenn diese Altmeister ihre Hände im Spiel haben: Die gedankliche und inhaltliche Leistung ist immer noch den Autoren zuzurechnen, wie beispielsweise fragsters Hilgers-Interview vor kurzem, das vor allem herby zu verdanken war, obwohl Rudis Name über dem Artikel stand. Ich als informierter Leser möche und glaube sogar ein Recht darauf zu haben, zu wissen, wer genau denn nun an der Story dran war, wer sie mit seinen persönlichen Präferenzen geprägt und geformt hat. Für mich ist das ein unabdingbarer Indikator und Wegweiser, um die Story einzuordnen.
Deutschland hat im Gegensatz zu allen anderen westlichen Ländern unzählige gute eSport-Redakteure, die allerdings alle ihren eigenen Stil besitzen, der ihren Output unweigerlich prägt. Ich möchte die Gelegenheit haben, ihren Namen zu lesen, bevor ich den Artikel beginne. Unabdingbar ist die Verbindung von Autor und Inhalt.
Dementsprechend sollte readmore schnellstmöglich die Autorenkürzel wieder einführen. Fragster hingegen täte gut daran, redaktionelle Zusammenarbeiten stärker kenntlich zu machen. Die Senior Editors sollte ihren Zuarbeitern den Co-Credit zugestehen, wie es bei klassischen Medien schon lange der Fall ist. Eine Zusammenarbeit von Rudi und herby zu lesen bietet für mich sogar einen zusätzlichen Reiz, weil ich dann versuchen kann zu entschlüsseln, was wer beigetragen hat, während ich bei Artikeln von einem der beiden zwangsläufig davon ausgehen muss, dass sie in altbewährten Mustern agieren. Und dieser Eindruck kann täuschen, wenn in Wahrheit auch andere Redakteure zugearbeitet haben. Transparenz ist wichtig in diesem Geschäft, und nirgends kann sie so einfach erreicht werden, indem die Content-Outlets alle Autoren eines Artikels kennzeichnen.
PS: An diesem Artikel mitgewirkt haben:
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Mittwoch, 18. Februar 2009
Sonntag, 16. November 2008
Koreablog - Teil 2
Korea won in translation bzw. "Courteous bows, Germany number 1, FIFA Online 2 and cocoa milk with chocolate bars", der zweite Teil meines Blogs aus Korea ist jetzt online. Ausserdem gibt es viele neue Bilder und ne Menge News!
Freitag, 14. November 2008
Koreablog Teil 1
Auf der ESL-Seite gibt es Eintrag 1 meines englischsprachigen Koreablogs. Wenn alles gut geht, folgt heute ein weiterer Eintrag. Die volle ESL Coverage findet sich hier.
Samstag, 25. Oktober 2008
Leben und Sterben von eSport Blogs
Eigentlich sollte dieser Eintrag einen kritischen Überblick über die eSport-Bloggerszene liefern. In den letzten 12 Monaten habe ich immer wenn mir in den readmore Schlagzeilen oder anderswo ein Blog über den Weg lief einen Google Bookmark gesetzt. 17 Einträge habe ich da gesetzt.
Diese Blogs zu kritisieren fällt schwer: Die meisten sind nicht mehr erreichbar oder wurden seit Ewigkeiten nicht aktualisiert. Dabei war die Auswahl durchaus faszinierend. In der Bandbreite fanden sich verschiedenste Ausprägungen: Profispieler, die über ihre Erfahrungen berichten. Normale eSportler, die über ihren Alltag schreiben. Verschiedenste Seiten, die sich an Analysen und Berichterstattung versuchten. Humorvolles. Und einige Blogs, die irgendwo dazwischen angesiedelt waren. Und natürlich die zahlreichen Gerüchtemühlen selbsternannter Szeneinsider, die bei ihrer Trefferquote besser kein Lotto spielen sollten.
Dennoch gibt es ein paar Überlebende. So hat sich fragster zu einer vollwertigen Szeneseite gemausert. Der Blog DERQUAKER betreibt seit Anfang Juni eine durchaus ansehnliche Quake-Coverage. Lenskis Blogparodie Kistengang bietet beste Unterhaltung, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und auf eher flachem Niveau.
Ein Spieler namens FrAGgi betreibt einen erfrischend naiven Blog, in dem er seine Clanerlebnisse und Sichtweisen auf verschiedene eSport-Angebote schildert. Der ehemalige Ocrana-Manager Mark Ralea (der den Traditionsclan einst seiner Shootersparte beraubte) betreibt mit Eikyo einen Blog irgendwo zwischen Web 2.0 Marktanalyse, Selbstanpreisung und eSports-Realitätsverzerrung. Für gute Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt.
Die Blogsektionen auf Seiten wie SK oder MYM lasse ich mal außen vor. Mich interessiert in erster Linie der singuläre Stil oder der Team Effort in einem Blogchannel. Auf Szeneseiten scheint mir die Bezeichnung Blog in erster Linie als Entschuldigung dafür zu dienen, dass der Autor keine Lust auf vernünftige Recherche oder lesbaren Stil hatte, insbesondere bei den SK-Redakteuren.
Ich kann nachvollziehen, warum Blogs sterben. Regelmäßigen Textoutput zu liefern, noch dazu wenn das nicht zum Brötchenerwerb dient und man nahezu Null Resonanz bekommt, erfordert enorme Disziplin. Umso bedauernswerter finde ich es, dass es so wenige Idealisten gibt, die diese Widrigkeiten überwinden und die Szene mit ihren Einschätzungen und Erfahrungen bereichern.
Und ich bin gespannt, ob ich mich selbst als idealistisch genug herausstelle.
Diese Blogs zu kritisieren fällt schwer: Die meisten sind nicht mehr erreichbar oder wurden seit Ewigkeiten nicht aktualisiert. Dabei war die Auswahl durchaus faszinierend. In der Bandbreite fanden sich verschiedenste Ausprägungen: Profispieler, die über ihre Erfahrungen berichten. Normale eSportler, die über ihren Alltag schreiben. Verschiedenste Seiten, die sich an Analysen und Berichterstattung versuchten. Humorvolles. Und einige Blogs, die irgendwo dazwischen angesiedelt waren. Und natürlich die zahlreichen Gerüchtemühlen selbsternannter Szeneinsider, die bei ihrer Trefferquote besser kein Lotto spielen sollten.
Dennoch gibt es ein paar Überlebende. So hat sich fragster zu einer vollwertigen Szeneseite gemausert. Der Blog DERQUAKER betreibt seit Anfang Juni eine durchaus ansehnliche Quake-Coverage. Lenskis Blogparodie Kistengang bietet beste Unterhaltung, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und auf eher flachem Niveau.
Ein Spieler namens FrAGgi betreibt einen erfrischend naiven Blog, in dem er seine Clanerlebnisse und Sichtweisen auf verschiedene eSport-Angebote schildert. Der ehemalige Ocrana-Manager Mark Ralea (der den Traditionsclan einst seiner Shootersparte beraubte) betreibt mit Eikyo einen Blog irgendwo zwischen Web 2.0 Marktanalyse, Selbstanpreisung und eSports-Realitätsverzerrung. Für gute Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt.
Die Blogsektionen auf Seiten wie SK oder MYM lasse ich mal außen vor. Mich interessiert in erster Linie der singuläre Stil oder der Team Effort in einem Blogchannel. Auf Szeneseiten scheint mir die Bezeichnung Blog in erster Linie als Entschuldigung dafür zu dienen, dass der Autor keine Lust auf vernünftige Recherche oder lesbaren Stil hatte, insbesondere bei den SK-Redakteuren.
Ich kann nachvollziehen, warum Blogs sterben. Regelmäßigen Textoutput zu liefern, noch dazu wenn das nicht zum Brötchenerwerb dient und man nahezu Null Resonanz bekommt, erfordert enorme Disziplin. Umso bedauernswerter finde ich es, dass es so wenige Idealisten gibt, die diese Widrigkeiten überwinden und die Szene mit ihren Einschätzungen und Erfahrungen bereichern.
Und ich bin gespannt, ob ich mich selbst als idealistisch genug herausstelle.
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