Heute habe ich nach Monza meine zweite WCG besucht und diesmal auch die Eröffnungszeremonie mitbekommen, die wir beim letzten Mal verpasst haben, da wir erst Freitag angereist sind. Letztlich bin ich mit gemischten Gefühlen rausgegangen.
Das Dingen war teuer, das hat man an allen Ecken und Enden gesehen. Die Technik auf und um die Bühne war vom Feinsten, insbesondere der Beamer und die Riesendisplays. Mit den H-Blockx als Eröffnungsact und BMX-Künstlern hat man wie ich finde Geschmack bewiesen, auch wenn es nicht die eine Musik für eSportler gibt. Wobei ich erst nach 4 Songs bemerkt habe, dass das die echten H-Blockx sind und keine Coverband. Als ich sie vor 10 Jahren das letzte Mal live gesehen hatte, sahen sie doch noch
etwas jünger aus.
Ab Beginn der eigentlichen Zeremonie war es dann allerdings ein ständiges Auf und Ab. Die Moderatoren haben mir gar nicht in den Kram gepasst. Eine Viola als deutsche Moderatorin mit einem native Speaker als Unterstützung wäre wohl eine deutlich bessere Wahl gewesen. Der Galileo-Moderator mag nach außen was her gemacht haben, aber hat eine völlig lustlose und uninformierte Performance abgeliefert. Da hätte man jemanden gebraucht, der entweder näher dran ist am Thema oder die Zeit mitbringt, sich vernünftig einzuarbeiten. Violas Englisch war OK, aber immer wieder ist es passiert dass die beiden Deutschen sich auf Deutsch unterhielten und die Mehrheit der Nicht-Deutschen Besucher außen vorblieb.
Bei den gezeigten Videos hatte ich ebenfalls gemischte Gefühle. Sie waren alle extrem gut aufgemacht, aber größtenteils fehlte mir der eSports-Bezug, z.B. beim adidas-Video, das wie ein adidas-Werbeclip zu klassischem Sport wirkte, bei dem am Ende nachträglich ein Satz zu eSport angefügt wurde, um den Bogen zum nächsten Part des Programms zu spannen.
Die Reden von Schramma und dem Samsung Electronics CEO ließen mich völlig kalt. Der Koreaner legte ein katastrophales Englisch hin, ungewöhnlich für den Chef eines global agierenden Unternehmens. Das ist bei einem Kölner Oberbürgermeister schon eher verzeihlich, aber auch er hatte wohl wenig Zeit sich vorzubereiten und hatte die Rede wenn überhaupt nur einmal vorher gelesen und musste sich so von einem Wort zum nächsten hangeln, immer mit dem Blick aufs Blatt.
Der Einlauf der Nationen erinnerte mich schwer an Pleiten, Pech und Pannen. Mit der alphabetischen Reihenfolge der Länder kamen die Hostessen Backstage kräftig durcheinander, so dass ab ca. Buchstabe S alles in totaler Konfusion endete und Serben mal als Südafrikaner angekündigt wurden. Zudem schien es, dass bei den wenigsten Ländern wirklich Spieler oder überhaupt Bürger des jeweiligen Landes die Flagge trugen. So erspähte ich einen mir bekannten niederländischen CS-Admin, der stolz die Flagge von Ägypten schwenken durfte. Offenbar war ein Großteil der Flaggenträger Teil des Adminteams, und das ohne Bezug zum jeweiligen Land. Völlig unverständlich, da anscheinend ein Großteil der Spieler im Publikum saß.
Viele Fans kamen nämlich nicht. Wie schon von den amerikanischen und italienischen WCG Grand Finals bekannt, stellten die Spieler und Teambegleiter den größten Block in den Sitzreihen. Die eigentliche Eröffnung der WCG legte OB Schramma dann in einen Nebensatz. Hier fehlte mir eindeutig das feierliche, dieser eine Moment auf den man bei Olympiaeröffnungsreden immer wartet.
Abschluss war dann der Fairplay-Eid, den der deutsche Admin und moon nur zu rund 30% synchron aufsagten, wodurch man fast nichts verstanden hat. Lustig auch, dass der werte Galileomoderator Jan Stolle als Rene ansprach. Er wusste die beiden Namen, hatte also immerhin eine 50% Chance richtig zu liegen.
Das klingt jetzt alles wie eine vernichtende Kritik, aber im großen und ganzen hab ich mich gut amüsiert. Angesichts der opulenten Optik und mit dem Wissen, dass hier 6-7 stellige Beträge investiert wurden, hatte ich meine Erwartungen wohl schlicht zu hoch gehängt.
Ich denke, viele der Fehler, die ich aufführe, passieren einfach und sind problemlos verzeihbar. Ich glaube eher, dass mein Problem mit der rund 90-minütigen Zeremonie ein anderes ist. Es fehlte die Dramaturgie!
Es waren im Grunde alle Einzelteile da, die so eine Zeremonie ausmachen, aber es wirkte extrem zerstückelt bzw. aneinandergereiht. Die Storyline hat gefehlt, man wusste grob was wohl noch so kommen wird, aber wurde da weitestgehend mit allein gelassen. Ich denke einen Großteil dieses Kritikpunkts hätte man mit einer besseren Moderation beseitigen können.
Insgesamt fühlte ich mich aber gut unterhalten, schließlich sitzt man nicht alle Tage in einer WCG-Eröffnungszeremonie und insbesondere die Auflistung der teilnehmenden Länder mit Punkten auf der Weltkarte hat mich sehr stolz gemacht auf unseren Sport. Ich freue mich auf die nächsten Tage und hoffe darauf, dass der Funke noch mehr überspringt.