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Mittwoch, 18. Februar 2009

Fakten, Fakten, Fakten - und bloß nicht an den Leser denken

Craven hatte mich schonmal auf den Artikel hingewiesen, ich hab ihn da aber nicht lesen können und bin jetzt durch Zufall nochmal drüber gestolpert. Es geht um Ten ways you won’t get in the eSports press.

Der Artikel erklärt einiges. Und zwar in erster Linie, warum MYMs Website in der Vergangenheit so furchtbar uninteressant und newsarm war. Nicht, dass sich jetzt so viel gebessert hätte, was man aber aktuell auch gerne der starken Fluktuation in der Redaktionsleitung zuschreiben kann.

Die einzelnen Punkte auseinander zu nehmen ist witzlos. Dass Telefonkontakte tabu sind, ist klar, zumal es zahlreiche bessere Kommunikationskanäle gibt.

Abseits davon zeugt die Liste allerdings von einer Menge Unverständnis von der Materie. Man kann aus allem eine interessante Story stricken, wenn man denn über das nötige Handwerkszeug verfügt. Aber ganz offensichtlich geht es dem Autor ja nicht nur um auf den ersten Blick uninteressante Geschichten.

Wenn ich das wirklich richtig verstehe, so würde er gar gute Storys mit aller Gewalt ignorieren, wenn sich der Hinweisgeber nicht an Phillip Rasmussens strengen Verhaltenskodex hält.

Dass er dabei sogar seine Redakteure bevormunden würde, in dem er Artikel löscht, die diese für relevant erachten, ist arg grenzwertig. Dass er dann sogar Forenbeiträge entfernen würde, damit auch ja keiner seine gottgleiche Deutungshoheit angreift, ist nur noch absurd.

Dass die ein oder andere englisch-sprachige Website offenbar mit einem Würfel entscheidet, ob etwas auf der Seite landet, hatte ich schon länger vermutet. Dass man sich aber nicht entblödet, dafür komplett abwegige Gründe anzuführen, verschlägt mir die Sprache.

Der Misserfolg eines redaktionellen Konzepts ist bei dieser Arbeitsweise vorprogrammiert. Während man in Deutschland mit Einbindung von Links, Kurzmeldungen, Blogs und prominent eingebunden Forenbeiträgen versucht, soviel Content wie nur möglich zugänglich zu machen, ist man anderenorts offenbar mehr um sein Ego besorgt als um den Informationsdurst seiner Leser.

Ja von wem isses denn nun?

Was dem normalen Leser wohl weitesgehend Jacke wie Hose ist, stellt für Leute, die in der Branche arbeiten, die alles entscheidende Information dar. Von wem ist denn jetzt der Artikel?

Readmore hat vor kurzem sein Newssystem überarbeitet, und bietet nun analog zu Fragster seine Artikel in seinem Newsformat feil. Dabei ist auch eins der wesentlichen Relikte aus der Frühzeit verschwunden: Die Autorenkürzel. Die Wissenden konnten damit auf einen Blick feststellen, wer sich für Interview, Meinung, Analyse verantwortlich zeigte.

Das fällt nun weg, obwohl die imitierte Konkurrenz gar einen Schritt weitergeht, und sowohl Nickname als auch vollen Namen des Autors nennt, wenn man mal von Cravens Fragster-Pseudonym Szenemonster und einigen anderen artikelschreibenden Fakeaccounts absieht.

Mich nervt es tierisch. Ich kenne die Leute und ihren jeweiligen Drift. Einen Artikel zu lesen ohne den Autor zu kennen, mag ein lustiges Ratespiel darstellen, das ich damals zu Zeiten des anonymen Fragster-Blogs gerne mitgespielt habe (und wohl auch häufig richtig lag). Dennoch wüsste ich gerne vorher, wer da gerade zum aktuellen Thema in die Tasten gehauen hat. Die lieblose Nennung des Autors im Kurztext bei readmore kann mich da nicht zufriedenstellen, zumal ich aus eigener Erfahrung weiss, dass diese lobpreisenden ersten Zeilen im Normalfall aus der Feder des Artikelschreibers stammen.

Klar, bei der mittlerweile stark entwickelten Organisationsform ensteht abseits von Meinungen kaum noch ein Artikel im Alleingang. Bei Fragster ist fast immer einer der leitenden Redakteure Wortführer im Artikel, sei es Rudi, datawave oder der vorgeblich inaktive bond, die den jüngeren, und noch unerfahreneren, Redakteuren die Gedanken leiten, und sie auf Projektlinie bringen. Auf readmore-Seite nehmen die Rolle die Althasen Craven, cyph und vor allem wixwiwa ein, der von der Öffentlichkeit unbemerkt eine tragende Rolle in Deutschlands wichtigstem eSport-Magazin eingenommen hat, und selbst nie namentlich in Erscheinung tritt.

Doch selbst wenn diese Altmeister ihre Hände im Spiel haben: Die gedankliche und inhaltliche Leistung ist immer noch den Autoren zuzurechnen, wie beispielsweise fragsters Hilgers-Interview vor kurzem, das vor allem herby zu verdanken war, obwohl Rudis Name über dem Artikel stand. Ich als informierter Leser möche und glaube sogar ein Recht darauf zu haben, zu wissen, wer genau denn nun an der Story dran war, wer sie mit seinen persönlichen Präferenzen geprägt und geformt hat. Für mich ist das ein unabdingbarer Indikator und Wegweiser, um die Story einzuordnen.

Deutschland hat im Gegensatz zu allen anderen westlichen Ländern unzählige gute eSport-Redakteure, die allerdings alle ihren eigenen Stil besitzen, der ihren Output unweigerlich prägt. Ich möchte die Gelegenheit haben, ihren Namen zu lesen, bevor ich den Artikel beginne. Unabdingbar ist die Verbindung von Autor und Inhalt.

Dementsprechend sollte readmore schnellstmöglich die Autorenkürzel wieder einführen. Fragster hingegen täte gut daran, redaktionelle Zusammenarbeiten stärker kenntlich zu machen. Die Senior Editors sollte ihren Zuarbeitern den Co-Credit zugestehen, wie es bei klassischen Medien schon lange der Fall ist. Eine Zusammenarbeit von Rudi und herby zu lesen bietet für mich sogar einen zusätzlichen Reiz, weil ich dann versuchen kann zu entschlüsseln, was wer beigetragen hat, während ich bei Artikeln von einem der beiden zwangsläufig davon ausgehen muss, dass sie in altbewährten Mustern agieren. Und dieser Eindruck kann täuschen, wenn in Wahrheit auch andere Redakteure zugearbeitet haben. Transparenz ist wichtig in diesem Geschäft, und nirgends kann sie so einfach erreicht werden, indem die Content-Outlets alle Autoren eines Artikels kennzeichnen.

PS: An diesem Artikel mitgewirkt haben:

Samstag, 3. Januar 2009

Wechselchaos - total normal

Mit etwas Befremden muss man in den letzten Tagen die Kommentare lesen unter News, die von Umwälzungen in der Branche künden. Verträge, seien es Sponsoren, Redakteure oder Spieler laufen im Normalfall auf Jahresbasis. Einer dieser merkwürdigen Zeitabschnitte ging gerade vorüber, von daher sind damit einhergehende Veränderungen keineswegs ungewöhnlich.

Schade nur, dass alles etwas unorganisiert abläuft. Dass man verblichene Sponsoren nicht mit einer Abschiedsnachricht von der Seite entfernt - ok. Da mag z.B. bei mTw momentan mehr Frust als Dankbarkeit vorherrschen. Dass ein Carmac seinen Abschied von SK in seinem Facebook Profil bekannt geben muss, und dann in einem Rakaka Kurzinterview nachlegt - merkwürdig. Dass die FIFA-Twins mir nichts dir nichts ihr Team verlassen ohne öffentliche Äußerung - skandalös.

Zumal letzteres für ausgiebige Spekulationen sorgt, die man zumindest mal teilweise aufklären könnte. Dass der polnische ex-SK-Chefredakteur die Bekanntgabe seines neuen Arbeitgebers auf seinen Jobantritt aufschiebt, ist schon eher verständlich.

Gute Arbeit haben fragster und readmore bei den Geschichten geleistet. Schade hingegen, dass man sich nicht um O-Töne bemüht hat. Einzig zu Carmac wird es wohl in Kürze ein ausführlicheres Interview geben. Die anderen SK Storys (FIFA Twins, Xbox Team, Female Team) bleiben unkommentierte Randnotizen, genau wie die zahlreichen Sponsorenverluste (mousesports, fnatic, 4Kings, mTw). Die Auflösungserscheinungen bei GotFrag wurden zwar aus strategischer Sicht mit größtem Interesse verfolgt, allerdings nur mit zwei Schlagzeilen zu MIRAA und der Verlinkung meines Blogeintrags, der bereits Teile der Entwicklung vorwegnahm.

Diese schnelle, aber mäßig fundierte Berichterstattung finde ich etwas schade, wäre sie doch eine optimale Möglichkeit, sowohl auf fragster als auch auf readmore die bestenfalls durchwachsenen Jahresrückblicke vergessen zu machen und das derzeitige Contentloch ausgiebig zu stopfen.

Einen strahlenden Lichtblick gab es dann aber doch noch, und zwar strylicious' Artikel zu fleks' Rücktritt. Immens unterhaltsam geschrieben, mit vielen Anekdoten, die ich schon vergessen hatte, solide recherchierten Daten (die nicht leicht zu bekommen sind) und noch dazu einem Analyseversuch, der fleks' Schritt zu begründen versuchte. Und das sogar recht gut. Vermisst habe ich noch ein wenig die Einblicke in fleks' spielerische Qualitäten. Abseits dieses kleinen Kritikpunkts ein hervorragendes Stück eSport-Journalismus, das Lust auf mehr macht.

Montag, 22. Dezember 2008

Internationale Non-Coverage

Als Deutscher kann man trotz aller berechtigter Kritik an den beiden größten deutschen eSport-Coverageseiten froh sein, über reichhaltige Informationsquellen zu verfügen, die noch dazu durch halbwegs ambitionierte Clanseiten wie die von mousesports und mTw ergänzt werden.

Höchstens Schwede möchte man da noch sein, mit fragbite und rakaka gibt es zwei hervorragende eSport-Seiten, die allerdings sehr selektiv mit ihren Themen umgehen. Auch die Franzosen sind mit team-aaa und eSportsfrance zumindest was News anbelangt verhältnismäßig gut versorgt.

Denn düster sieht es auf dem englischsprachigen Markt aus, wenn man die aus deutscher Perspektive Kernspiele Warcraft 3 und Counter-Strike betrachtet. Es fällt schon schwer überhaupt noch Webseiten zu nennen, die beide Spiele behandeln. Ein gosugamers bietet eine unterhaltsame Contentmischung, konzentriert sich aber auf Blizzard-Spiele.

SK-Gaming und MYM bieten beides, allerdings in einer streckenweise kaum zu ertragenden Herzlosigkeit. Beide Seiten scheinen im Umbruch, der sich angesichts des immens schweren Ballasts der Clanberichterstattung unendlich hinzuziehen scheint.

BeeemIt mischt bei MYM den Laden auf, nicht zuletzt durch sein rein bebildertes Grubby-Interview. Doch auch dieses ist wohl eher unter innovativer Clancoverage und Imagepflege zu verbuchen, als unter bahnbrechender, unabhängiger Berichterstattung. Das Langziel ist wohl eine Aufspaltung, an der anno 2004/2005 mymTw gescheitert ist. Aus einem Pool von Redakteuren zwei Teams zu schaffen, die auf unterschiedlichen Seiten die bislang vereinten Coveragelinien fortführen: Ein nicht zu unterschätzender logistischer Aufwand.

Ich hoffe für MYM, dass die aktuelle Contentflaute durch intensive Vorplanungen bedingt ist. Mag die MYM-Coverage außerordentlich gut sein für eine Clanseite, ist die Szenecoverage schlicht zum Vergessen in den letzten Wochen. Natürlich laufen Starreporter wie the1crow auf Events zu Hochform auf, können aber nicht die Mängel in der täglichen Online-Coverage übertünchen.

Hoffnungsvoll auf esnation.com blicken darf man dennoch, hat doch grade erst cadred bewiesen, wie so ein Sprung in der Praxis funktionieren kann. Wenn auch CS und WC3 dort keine Rolle spielen, so besticht die Seite dennoch durch unterhaltsame Artikel und eine gedankenvolle Themenauswahl. Zumal die Seite trotz ihrer Funktion als europäisches Sprachrohr der CGS durch den Zerfall der gleichen eher noch profitiert hat, insbesondere was die Auswahl an fähigem Personal angeht.

Eine Expansion auf weitere Spiele wird mittelfristig die logische Konsequenz sein. Warm anziehen muss sich dann auch SK-Gaming. Schon wird gemunkelt, dass es im neuen Jahr einschneidende Veränderungen in der Redaktionsführung geben wird. Wer die Seite genauer verfolgt, wird schon das Fehlen an dem unique Content bemerkt haben, der SK in der ersten Jahreshälfte in punkto Qualität auf die internationale Nummer 1 katapultiert hat. Carmac fokussiert sich auf unterhaltsame aber wenig erhellende Videos, und die zweite Garde der Blogger in Form von Malystryx und zechs tut sich schwer, entscheidende Impulse zu geben.

Noch wesentlich schlimmer ist es um GotFrag bestellt. Mit den Abgängen von Midway und Marc Cheben, sowie zahlreichen anderen langjährigen Stafflern, ist nur noch ein winziges Kernteam an Schreibern übrig geblieben. So gut die Jungs auch sein mögen, vermögen sie es nicht, der Contentflut Herr zu werden und zeigen selbst bei uramerikanischen Themen wie dem kürzlichen Complexityzerfall ungeahnte Schwächen.

So inkoherent wie diese Geschichte behandelt wurde, ist es nur noch ein Trauerspiel. Die äußerst geringe Anzahl an Kommentaren zeigt, dass man damit nicht nur die internationale sondern auch die heimatliche Leserschaft verschreckt hat. Die Art und Weise wie GotFrag völlig meinungs- und wertfrei hochemotionale Geschichten behandelt, ist einfach nur traurig, insbesondere wenn man an den großartig streitbewährten Midway zurückdenkt. Selbst bsl hat mittlerweile das Weite gesucht.

Wie stark GotFrag zum reinen Pressemitteilungsverbreiter und oberflächlichem Infoverwurster geworden ist, offenbart sich Tag für Tag in allen News von Informationswert. Stets wird der nach schierer Verzweiflung klingende Satz "Stay tuned to GotFrag ..." heruntergebetet, dem in den seltensten Fällen tatsächlich weitere Artikel folgen. Bei der Fülle an Dramen, die die amerikanische CS-Szene derzeit bietet, kann man das getrost als Bankrotterklärung ansehen.

Düster sieht es auch bei den Kollegen von esfi aus. Seit Monaten beschreit man sich selbst als die neue amerikanische Referenz in Sachen eSport-Coverage, hat bislang aber noch nicht mal einen Launch der Seite zustande gebracht. Immer neue Entschuldigungen, immer neue Termine werden ins Feld geführt. Anfang des kommenden Jahres soll es jetzt losgehen.

Das Team hat sich bislang vor allem durch das langlebigste, westliche eSport-Printmagazin hervorgetan. Mit dem Pro Gam3r Magazine schaffte man es auf 3 durchaus lesenswerte Ausgaben. Besondere Hoffnung besteht bei einem derart vermasselten Start allerdings nicht, war die Pro Gam3r Website doch auch schon als vollwertige Szeneseite angekündigt gewesen, konnte allerdings nichtmal mit halbwegs anständig konfigurierten RSS-Readern mithalten.

Was bleibt ist eine gigantische Marktlücke in punkto englischsprachiger eSport-Coverage. Man darf gespannt sein, wie SK sich 2009 aufstellt, wie MYM der Ableger ESNation glücken wird, ob ESFI tatsächlich das Licht der Welt erblickt, ob GotFrag noch das Ruder rumgerissen bekommt und wann und wie cadred in direkten Konkurrenzkampf mit den etablierten Medien eintritt.

Zu guter Letzt darf man gespannt sein, ob nicht gerade jetzt jemand mit Know How und den exzellenten Personaloptionen auf dem eSport-Markt in den Overdrive wechselt und der internationalen Community zeigt, wie eSport-Coverage auf Englisch zu laufen hat. Wer auch immer diesen Weg beschreitet, er hat meinen Segen, meine besten Wünsche und garantiert einen Platz ganz weit oben in meiner Bookmarkliste.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Jahresrückblicke

Jauch, Kerner, readmore - alle haben sie ihre Jahresrückblicke. Menschen, Tiere, Headshots, alles was den Leser das Jahr über bewegt hat. Als die ersten eSport-Journalisten vorsichtig über den Tellerrand gelugt haben, um sich bei erwachsenen Pressevertretern ein paar kluge Ideen abzuschauen, müssen sie schon auf die Kalenderblattrevue gestoßen sein.

Für mich gehören diese grässlichen Dinger zum eSport dazu, seit ich mich entsinnen kann, die Szenepresse zu verfolgen. Wobei sich manches zum Guten gewendet hat. Das stumpfe Abklopfen nach Kalendermonaten ist mittlerweile zur Seltenheit geworden. Am Angenehmsten fand ich immer die entspannte Art, wie readmore die Zeit zwischen dem 24.12. und 2.1. genutzt hat, in der im eSport nichts, aber auch rein gar nichts passiert.

Exemplarisch mal der Rückblick auf 2005. Das Jahr wurde schön in Themen unterteilt, und teils anhand neuer, teils alter Artikel beleuchtet. Hinzu kamen tabellarische Überblicke über alle Turnierergebnisse des Jahres. Das sind Zeitkapseln, die ich gerne auch ein paar Jahre später nochmal durchblättere. Vorausgesetzt readmore würde seinen alten Content ehren und noch irgendwo verlinken, an obige URL bin ich leider nur noch durch rumprobieren gekommen.

Dass ich an der 2005 Sammlung maßgeblich mitgewirkt habe, sollte ich vielleicht nicht verschweigen. Das war auch eine gewisse Form der Wiedergutmachung. Schließlich war ich es, der im April des gleichen Jahres, geschätzte 2 Tage vor dem kollektiven Abgang der readmore-Redakteure von mymTw folgende News veröffentlicht hat:

Misc: A long time ago in a galaxy far away

31 Kommentare
sys | affentod - 24.04.05 18:15
Von vielen wurde er sehnsüchtig erwartet, nun ist es endlich so weit: Der rushed Jahresrückblick ist erschienen. Die Highlights und Aufreger des nicht nur für uns bewegenden Jahres 2004 könnt ihr euch in dieser Artikel Sammlung zu Gemüte führen, an der wir nun knapp vier Monate gearbeitet haben.


Sicher nicht das schönste Abschiedsgeschenk, eine unfertige, hochgradig langweilige Artikelserie 4 Monate nach ihrem eigenlich geplanten VÖ-Datum online zu stellen. Ich möchte meinem damaligen Selbst allerdings zugute halten, dass es nicht wirklich zufrieden mit der Gesamtsituation war. Schade, dass die vollen Artikel und vor allem die zugehörigen Kommentare nicht mehr zugänglich sind. Ich erinnere mich an harte, sehr harte, sehr sehr harte Flames.

Und nun bin ich gespannt auf erhellende, unterhaltsame, spannende Jahresrückblicke 2008, ganz ohne Monatsgeblättere und stumpfes Nacherzählen. Mal sehen, ob readmore seine Qualität halten kann und was sich die fragsters feines ausgedacht haben. Zu hoffen bleibt, dass allen bewusst ist, das nirgends sonst soviele Artikel gelesen werden wie nach Weihnachten, schließlich gibt es keinen anderen Content. Das müsste doch die Redakteure anspornen!

Freitag, 5. Dezember 2008

EPS Finals - Mal wieder?

EPS Finals! Zum 2. Mal im Expo XXI, zum 6. Mal seit ich bei Turtle bin und meine 7. Finals insgesamt. So richtig gut kann ich mich an meine ersten Finals in Season 7 nicht mehr erinnern, aber ein Glück gibt es das Internet. Auf readmore habe ich da meine Eindrücke niedergeschrieben von meinen ersten Finals und damit auch von meinem ersten ESL-Event.

So ganz unerfahren war ich nicht mehr zu dem Zeitpunkt, wenn ich da meine Gedächtnisstütze in meinem SK Profil betrachte (danke an Carmac für die Idee):

- Games Convention 2005 / ENC / eSports Award, Leipzig
- CPL World Tour, Istanbul
- CeBIT 2005, Hannover
- CPL Winter 2004, Dallas
- WCG Germany Qualification 2004, Düsseldorf
- Games Convention 2005 / ENC / eSports Award, Leipzig

Klar gabs auf den Messen auch ESL Stände, aber das sind ja immer ganz andere Setups als die ESL Standalone Events. Dennoch staune ich ein wenig über meinen Artikel über die 7er Finals. Klar, es sind mehr Zuschauer, die Location ist größer, ich kenne mittlerweile TheKoenna, aber er moderiert nicht mehr.

Aber noch immer - oder sogar noch stärker - sind die ESL Pro Series Finals DER Treffpunkt für die deutsche Szene. Das hab ich heute schon gemerkt, als zahlreiche ESL Admins in unser Büro geströmt sind. Morgen kommen dann noch die ganzen Clan Manager, Spieler, Redakteure und Sponsorenvertreter hinzu. Händeschütteln alle 2 Meter garantiert.

Schön auch, dass von unserem damaligen Team noch fast alle dabei sind, wenn auch nur noch einer davon als readmore Redakteur:

- rumpel
- cyph
- datawave
- capo
- sot3k
- wixwiwa

rumpel und capo sind schon seit geraumer Zeit raus aus dem eSport, alle anderen sind morgen mit an Bord, wenn auch in anderen Rollen. Datawave ist mittlerweile Geschäftsführer bei EGM, der Firma hinter fragster. Sot3k ist nach abgeschlossenem Volontariat Student, jobbt aber weiter bei der ESL und unterstützt unsere Coverage. Wixi ist wieder Redakteur bei readmore nach zwischenzeitlicher Pause und cyph arbeitet Vollzeit bei Computec als Produktmanager.

Im Gegensatz zu früher bin ich jetzt selbst Teil des Establishments, kenne den Event wie meine Westentasche und spule mein Programm zwischen Meetings, Pressekonferenzen, Networking und Coverage ab. Dennoch bin ich gespannt, schließlich haben wir morgen zum ersten Mal unsere neue Coverage-Seite auf einem deutschen Event im Einsatz. Bei den letzten Intel Extreme Masters Events hat sie sich stark bewährt. Gut 400 News sind darauf erschienen über die 5 Events hinweg, die Klickzahlen waren extrem gut, um Längen besser als unsere alten Coverages. Angesichts des großen Interesses der deutschen Community und unseres wesentlich größeren Teams in Deutschlands eSport-Hauptstadt habe ich hohe Erwartungen.

Einer weiteren Kolumne zur Qualität des morgigen Events werde ich mich wohl enthalten aus Objektivitätsgründen. Im Finger jucken würds schon, und ich könnte mich in 3 Jahren ärgern, wenn ich nichts schreibe.

Sonntag, 30. November 2008

CGS im Rückspiegel

Es fällt mir schwer mein Versprechen einzuhalten. Oder war es nur eine Drohung? Auch wenn ich zahlreiche Anmerkungen zur Berichterstattung über das CGS-Ende habe, sind meine Befürchtungen nicht zum Tragen gekommen. Mit wenigen Ausnahmen sind die CGS-Analysen und Nachrufe zu durchaus lesenswerten Textstücken geworden.

Bewundernswert dabei, wie sowohl SK-Gaming als auch cadred gleich mehrere Leute zu Wort kommen lassen. Ganz offenbar sahen einige Leute nun die Zeit gekommen, Klartext zu sprechen. Ob ein Post Mortem die richtige Gelegenheit für ehrliche Meinungen ist, sei dahin gestellt.

Im Grunde ist es schade für den Leser und wahrscheinlich auch für die CGS, dass erst jetzt ernsthaft öffentlich durchleuchtet wird, was hätte anders laufen müssen. Gewiss, die CGS hat von Szeneinsidern immer wieder Fingerzeige bekommen, und in der zweiten Saison auch einige Änderungen an der Strategie vorgenommen. Der vereinigte Holzhammer der treffenden Analysen von TheSlash, bds oder Dr. Gonzo hätte allerdings zu einem stärkeren Kurswechsel führen können.

Weniger spekulativ ist die Tatsache, dass man verdammt gut unterhalten wird. Pre gibt einen knackigen Überblick über seine Ansicht. Die GGL, wohlgemerkt direkter Konkurrent auf dem amerikanischen Markt, holt noch mal den Fehdehandschuh raus. "At its core, the CGS was not a league. It was a reality TV show..." Ein Satz dem schwerlich etwas hinzufügen zu ist.

Ich möchte noch eine Überschrift einer Newsmeldung nachreichen, die meinen Wettbewerb wohl locker gewonnen hätte:

Sudden Death For CGS Game League (and we don't mean overtime)

Glückwunsch gamepolitics.com Hat alles was eine Überschrift braucht. Vielleicht ein bisschen zu lang, aber verfügt vor allem über eine gewisse Distanz zum Thema, die mir sehr zusagt.

Insgesamt war allerdings nicht alles gut in der Berichterstattung. Leider sind vor allem die deutschen Seiten nicht wirklich positiv aufgefallen. readmore beschränkt sich aufs Nacherzählen amerikanischer Quellen. Das mag letztlich auch eine redaktionelle Entscheidung gewesen sein, dennoch eine verschenkte Chance - das Thema war definitiv heiß.

Aber wenigstens hat readmore eine gewisse Lässigkeit an den Tag gelegt, die fragster abging. Nach einer eher durchwachsenen Analyse, folgte eine hochnotpeinliche Meldung zu einem angeblichen neuen Team 3D Lineup - ein Scoop der sich als Ente herausstellte. Aber wenigstens zeigte fragster später Mut zur ironischen Selbstkritik.

Wie gerne hätte man ein Statement von The_Tactical gehört, der seit seinem SZ-Interview zweifelsfrei den Titel des arrogantesten Pro Gamers trägt. (Danke an BeeemIt für den Hinweis) Ein paar Zahlenspekulationen. Eine realistische Analyse der US-Szene, die mal nicht die Hälfte der in der Zukunft wichtigen Player vergisst. Oder ein vernünftiger Pressespiegel. Aber den hab ich ja jetzt nachgereicht, wobei ich mich über lesenswerte Ergänzungen sehr freuen würde.

Dienstag, 18. November 2008

CGS Pressespiegel

Herzlichen Glückwunsch an rakaka. Mein Wunsch nach einer Free Agents Liste wurde prompt erfüllt. Ansonsten gibt es noch nichts spektakuläres zu berichten. Stattdessen mal eine weitgehend unkommentierte Liste, wie die Szeneseite die Geschichte betiteln:

Englischsprachige Seiten:

cadred.org: The CGS Shuts Down
mymym.com: CGS shuts down - 'time is not ripe'
team-dignitas.org: ODEE returns!
ESReality.com: CGS Shuts Down
SK-Gaming.com:
Championship Gaming Series is dead
GotFrag.com: CGS Shuts Down
fnatic.com: Championship Gaming Series closed its doors

Deutsche Seiten:

gamesports.net: CGS stellt Betrieb ein
eFever.de:
CGS schließt ihre Pforten
counterstrike.de: CGS überraschend beendet
readmore.de: CGS stellt mit sofortiger Wirkung den Betrieb ein
fragster.de: War die CGS nicht rentabel? - mittlerweile "Mammutprojekt CGS wird eingestampft"

Internationale Seiten:

fragbite.com: CGS lägger ner verksamheten (CGS suspends operations)
rakaka.se: CGS lägger ner verksamheten (CGS suspends operations)
esportsfrance: Les CGS baissent le rideau (curtain falls for CGS)
catchgamer.no: Championship Gaming Series nedlagt! (Championship Gaming Series closed down!)

Der Kreativitätspreis für die beste Realitätsverzerrung geht an Team Dignitas für "ODEE returns". Der Preis für die größte Unentschlossenheit geht an fragster, für die mittlerweile dritte Überschrift zur Story. Ein Sonderpreis geht an counterstrike.de für die weltweit einmalige Nutzung des Wortes "überraschend" in der Überschrift. Eine besondere Erwähnung geht an MYM, die mit der Nutzung eines Zitats wenigstens ein wenig Bemühung um Originalität gezeigt haben.

Eine kleine, weltweite Auswertung:

CGS shuts down: 4 Einträge
CGS stellt Betrieb ein/suspends operations: 4 Einträge
CGS closed its doors/schließt die Pforten: 2 Einträge
Sonstige unkreative Überschriften: 4 Einträge
Kreative Überschriften: 2 Einträge

Es werden übrigens nachwievor Bewerbungen für den CGS-Bullshit-Award angenommen.



CGS gehimmelt

Früher oder später als erwartet, aber irgendwie nicht so ganz überraschend, hat die CGS laut cadred ihren Betrieb eingestellt. Nicht nur, dass sich jetzt eine Menge US und UK Spieler über ihre Nichtteilnahme an dortigen Intel Extreme Masters und ESL Pro Series Turnieren ärgern dürften, nein, auch der Arbeitsmarkt wird mit zahlreichem, frischem Personal geflutet.

Viel mehr geflutet werden aber wohl die Szeneseiten. Jetzt dürfen sich all die Hobbypropheten unter den eSports-Redakteuren mit detail- und fantasiereichen Analysen zu Wort melden, in denen sie konstatieren, dass das Ende ja sowieso absehbar war, dass die Zeit nicht reif war für eine CGS, dass ihr Ende dem eSport schadet und all die anderen Euphemismen, die man in durchschnittlichen Nachrufen so findet.

Ich will diese Artikel nicht lesen, und das will auch keiner der anderen Szeneseitenleser. Klar, abseits einer News muss das Thema weiter bearbeitet werden. Interviews taugen auch nur bedingt, da garantiert wieder einige Leute auf ausstehende Gelder warten, und solange sich nicht trauen, Klartext zu sprechen (siehe auch: CPL).

Zahlen sind interessant. Midway hat ja bereits sehr anschauliche Rechenspiele mit complexity betrieben.

Personal- und Spielerlisten sind interessant. Welche Free Agents gibt es jetzt plötzlich auf dem Markt.

Eine genaue, kurz prägnante und vor allem ungeschönte Chronik der CGS Ereignisse von Anfang bis Ende wäre schön, am besten immer im direkten Vergleich Anspruch (siehe Pressemitteilungen) und Wirklichkeit (siehe Kommentare auf nicht-gekauften Szeneseiten).

Und es gibt sicher noch andere Möglichkeiten, an das Thema heranzugehen. Da keiner diesen Blog liest, werden wir wohl trotzdem in den nächsten Tagen mit unzulänglichen Nachrufen und Pseudoanalysen bombardiert werden. Allerdings habe ich gewarnt und werde daher alle erscheinenden Artikeln einem gnadenlosen Bullshittest unterziehen!

Sonntag, 9. November 2008

Impressionen von den World Cyber Games

Ich war jetzt an drei Tagen auf der WCG in Halle 8 des Kölner Messegeländes. Insgesamt ist die Veranstaltung eine gewaltige Weiterentwicklung zum eher schäbigen Turnier im italienischen Monza 2006. Diesmal merkt man die Millionen deutlich, die in diese Leuchtturmveranstaltung von Samsungs Marketing investiert werden.

Die Technik auf der Bühne ist vom feinsten, das Branding edel, die Location für eSport-Verhältnisse nobel. Dennoch oder gerade deswegen kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass diverse falsche Entscheidungen das Gesamtbild trüben. Es hakt bei der Turnierorganisation, der Betreuung der Presse, bei den Spielbedingungen, der Übermittlung von Turnierergebnissen und den Möglichkeiten zum Zuschauen, sowohl vor Ort als auch von zuhause. Kurz: Beim Kern des Geschehens.

Zahlreiche Fehlentscheidungen und Skandälchen prägen das Turniergeschehen. Die deutsche Presse lobt die Stimmung, findet aber auch zahlreiche Kritikpunkte. Nachdem sich die klassische Presse vom Polittrubel in Amerika und Hessen erholt hat, finden auch einige Berichte den Weg in Zeitungen, TV-Sendungen und Online-Portale.

Unterhaltsam ist es allemal, auch wenn man besser nicht für CS auf die WCG fahren sollte. Meine wichtigsten Vorschläge für Verbesserungen wären wohl die folgenden:
  • Ergebniseinblendungen auf der Bühne
  • Einhaltung des Bühnenprogramms und nicht ständiger Wechsel der Matches
  • CS auf der Hauptbühne
  • Übermittlung der Ergebnisse in den Pressebereich
  • Konsequente Regelung für Fotographen im Spielerbereich
  • Genaueres Regelstudium der Admins vor dem Event
  • eSport-beschlagener Moderator auf der Bühne
  • Bessere Zuschaumöglichkeiten für die 98% der Matches, die auf keiner der Bühnen gezeigt werden
All das ist nicht wirklich zuviel verlangt und ließe sich einfach bewerkstelligen. Ich frage mich ob hier bei den deutschen Organisatoren, für die es das erste eSport-Event ist, am Willen gefehlt hat, sich anständig zu informieren im Vorfeld, oder ob man ganz bewusst die WCG nur oberflächlich auf Hochglanz poliert hat, um der Zielgruppe von Sponsoren, Politikern und klassischer Presse zu gefallen.

Der ganz große Wurf war es jedenfalls nicht.

Sonntag, 2. November 2008

Playmate des Monats November

Props an Fragster für den richtigen Riecher. Es gibt Storys, die ziehen einfach, und das Playmate Interview ist ein Paradebeispiel. Nicht, dass man jetzt irgendwelche großartigen neuen Erkenntnisse gewinnt. Die Endlosdiskussionen sind aber ein deutliches Zeichen dafür, dass auch im eSport Raum für diese Geschichten ist.

Es ist schön zu sehen, dass im eSport eine Offenheit für Themen herrscht, die man im klassischen Sportjournalismus bisweilen vermisst. Dabei sollte man dem Inhalt der zahlreichen Kommentare nicht zu viel Bedeutung zu messen, spricht doch die reine Anzahl an Wortmeldungen eine wesentlich deutlichere Sprache.

Das Interview bietet dabei gleich zwei mögliche Diskussionsebenen, die in den Kommentaren leider stark vermischt werden. Man kann sich inhaltlich mit dem Interview auseinandersetzen, kann aber auch darüber philosophieren, inwieweit das Privatleben von Spielern Teil der Berichterstattung sein kann, darf, muss oder sollte.

Ich liebe diese Metadiskussionen. In eine ähnliche Kerbe schlug mein Special Boys Are From Mars, Girls Are From Venus. Auch wenn in den hitzigen Wortgefechten kaum eine Meinung die Oberhand gewinnen kann, so ist die Frauen-Thematik im eSport immer eine willkommene Auflockerung zwischen Zahlen und Ergebnisberichterstattung. Fragster hat den Fehdehandschuh in die Runde geworfen, man darf gespannt sein, wann auch andere Seiten einen Teil des Aufmerksamkeitskuchen abbekommen wollen. Man kann nur hoffen, dass die entsprechenden Verantwortlichen erkennen, dass eSport Themen-offen ist. Am Ende sollte doch nur der Erfolg einer Story zählen, und der dürfte hier schon fast automatisch gegeben sein.

On another note: Lob gebührt allerdings auch den Jungs von ESL TV, die durch Playmates Berufung zur Co-Moderatorin auf dem Intel Friday Night Game in Berlin das fragster-Interview erst möglich gemacht haben. Gerade hier hat jemand das exakt richtige Gespür an den Tag gelegt. Glückwunsch!

Donnerstag, 30. Oktober 2008

WCG - Die Ruhe vor dem Sturm?

Gerüchteweise findet hier in Köln nächste Woche das größte eSport-Turnier des Jahres statt. Große Vorfreude bemerke ich allerdings noch nicht. MYM ist die einzige Szene-Seite auf der ich heute überhaupt einen aktuellen Artikel zu den WCG gefunden habe. Alle anderen Seiten begnügen sich mit Coverage der chinesischen World eSports Masters.

Zu sehr steckt den Redakteuren wohl noch der heftige eSport-Oktober in den Knochen, der Woche um Woche die Weltelite in allen möglichen Spielen gegeneinander antreten sah. Insbesondere in Deutschland könnte sich die mangelnde Vorberichterstattung bemerkbar machen: Wenn es um die Besucherzahlen der WCG geht.

Zwar gab es in Köln bereits zwei ausgedehnte Plakatkampagnen, allerdings mit Motiven, die höchstens der Fachmann als Werbung für eine Sportveranstaltung identifizieren kann. Möglich, dass die Saturn Flächenwerbung etwas bewirkt, aber um den Kern der deutschen Zielgruppe haben sich die eSport-fremden Agenturen eindeutig zu wenig gekümmert.

Eine Kampagne auf der ESL-Seite wäre wohl ungleich effektiver gewesen als Straßenwerbung mit enormem Streuverlust. So bleibt die Befürchtung, dass die WCG nächste Woche eine Insider-Veranstaltung wird: Für Redakteure, die zahlreichen in der eSport-Branche arbeitenden Kölner und den harten Kern der eSport-Fans, die kein Event in der Umgebung verpassen und sich selbst bei einer Schulmeisterschaft einen Event-Award abholen.

Wie in den Jahren zuvor wird es in jedem Fall voll aussehen auf den Rängen: Rund 675 Spieler reisen nach Köln, die wenigsten davon werden sich lange im Turnier halten und können so wie gehabt als Zuschauer doublen.

Montag, 27. Oktober 2008

Lustig ist, wenn keiner lacht

Gemeinhin ist eSport eine humorfreie Zone. Ironie möge doch bitte idiotensicher mit fünfzehn Smileys angekündigt werden, so die landläufige Meinung. Selten, dass Redakteure auf Szeneseiten wider diesen Trend arbeiten. Umso erfreulicher, wenn manche es dennoch wagen.

So Hanno Magnus heute auf readmore. Durchweg humorvoll wird über Sinn und Unsinn von Turnieraneinanderreihungen gewitzelt und die Ernsthaftigkeit der Turnierrushhour Oktober durch den Kakao gezogen. Fast schon reflexartig gehen die Leser auf die Barrikaden, fast 200 Comments nach 3 Stunden.

Dabei finde ich es schon extrem schade, dass sich der Autor im Vorfeld genötigt sah, den Artikel mit einem Disclaimer zu versehen: "Satire zu den World eSports Masters". Das ist schade, unterwandert das doch den subversiven, anarchischen Charakter, der einer guten Satire im Normalfall innewohnt.

Sie will schließlich den durchschnittlich humorvollen Normalbürger packen, und zu einer emotionalen Reaktion bewegen. Sie will den Leser hinters Licht führen, ihm einen Bären aufbinden oder ihn zu wütenden Reaktionen aufstacheln, wie es das deutsche Satiremagazin in schöner Regelmäßigkeit schafft.

Noch schlimmer ist der Rechtfertigungsdrang bei fragster, was eine gut geschriebene Satire schnell zur tristen Blödelei verkommen lässt. Zugute halten muss man der Seite allerdings, dass Humor hier in halbwegs regelmäßigen Abständen zum Einsatz kommt. Das war man sonst nur von den alten Bender-Comics oder in unfreiwilliger Form von evan_s Kolumnen auf SK-Gaming gewohnt.

Richtig subversiv wird leider kaum jemand noch heutzutage. Erwachsen genug dafür kann die eSport-Szene wohl kaum sein, wenn ich mir die heutige Commenteskalation unter HNOs Artikel anschaue. Ich würde mich jedenfalls tierisch freuen, wenn jemand versuchen würde, mich mit einem richtig guten, satirischen Artikel aufs Kreuz zu legen.

Achja, kennt ihr eigentlich schon den Skill Guide, der erklärt wie Vo0 damals so gut werden konnte?

Samstag, 25. Oktober 2008

Leben und Sterben von eSport Blogs

Eigentlich sollte dieser Eintrag einen kritischen Überblick über die eSport-Bloggerszene liefern. In den letzten 12 Monaten habe ich immer wenn mir in den readmore Schlagzeilen oder anderswo ein Blog über den Weg lief einen Google Bookmark gesetzt. 17 Einträge habe ich da gesetzt.

Diese Blogs zu kritisieren fällt schwer: Die meisten sind nicht mehr erreichbar oder wurden seit Ewigkeiten nicht aktualisiert. Dabei war die Auswahl durchaus faszinierend. In der Bandbreite fanden sich verschiedenste Ausprägungen: Profispieler, die über ihre Erfahrungen berichten. Normale eSportler, die über ihren Alltag schreiben. Verschiedenste Seiten, die sich an Analysen und Berichterstattung versuchten. Humorvolles. Und einige Blogs, die irgendwo dazwischen angesiedelt waren. Und natürlich die zahlreichen Gerüchtemühlen selbsternannter Szeneinsider, die bei ihrer Trefferquote besser kein Lotto spielen sollten.

Dennoch gibt es ein paar Überlebende. So hat sich fragster zu einer vollwertigen Szeneseite gemausert. Der Blog DERQUAKER betreibt seit Anfang Juni eine durchaus ansehnliche Quake-Coverage. Lenskis Blogparodie Kistengang bietet beste Unterhaltung, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und auf eher flachem Niveau.

Ein Spieler namens FrAGgi betreibt einen erfrischend naiven Blog, in dem er seine Clanerlebnisse und Sichtweisen auf verschiedene eSport-Angebote schildert. Der ehemalige Ocrana-Manager Mark Ralea (der den Traditionsclan einst seiner Shootersparte beraubte) betreibt mit Eikyo einen Blog irgendwo zwischen Web 2.0 Marktanalyse, Selbstanpreisung und eSports-Realitätsverzerrung. Für gute Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt.

Die Blogsektionen auf Seiten wie SK oder MYM lasse ich mal außen vor. Mich interessiert in erster Linie der singuläre Stil oder der Team Effort in einem Blogchannel. Auf Szeneseiten scheint mir die Bezeichnung Blog in erster Linie als Entschuldigung dafür zu dienen, dass der Autor keine Lust auf vernünftige Recherche oder lesbaren Stil hatte, insbesondere bei den SK-Redakteuren.

Ich kann nachvollziehen, warum Blogs sterben. Regelmäßigen Textoutput zu liefern, noch dazu wenn das nicht zum Brötchenerwerb dient und man nahezu Null Resonanz bekommt, erfordert enorme Disziplin. Umso bedauernswerter finde ich es, dass es so wenige Idealisten gibt, die diese Widrigkeiten überwinden und die Szene mit ihren Einschätzungen und Erfahrungen bereichern.

Und ich bin gespannt, ob ich mich selbst als idealistisch genug herausstelle.